Vogelgrippe

Nachdem wir in der letzten Ausgabe des Schiersteiner Lebens über den verheerenden Ausbruch der Vogelgrippe in Spanien berichtet hatten, bei dem Hunderte von Störchen verendet sind, müssen wir nun leider feststellen, dass die Auswirkungen auch Schierstein erreicht haben.

Bereits im Februar waren 30 Storchenhorste mit Brutpaaren besetzt. Dabei handelte es sich überwiegend um Störche, die in Deutschland überwintert hatten. In den vergangenen Jahren trafen anschließend im März weitere Storchengruppen aus dem Süden ein. Dieser sonst übliche Zuzug blieb in diesem Frühjahr jedoch nahezu vollständig aus.

Anfang April hatten deshalb lediglich 36 Storchenpaare mit der Brut begonnen. Unser Storchenpaar am Kamerahorst legte pünktlich zum 1. April das erste Ei. Seit dem 1. März ist die Storchenkamera wieder online und ermöglicht spannende Einblicke in das Brutgeschehen.

31 Jahre alter Storch 

Wo Licht ist, ist leider auch Schatten. Am 26. März fanden wir im Bereich der Klingenwies nahe der A66 einen toten, beringten Schiersteiner Storch. Das Tier hatte ein außergewöhnliches Alter von 31 Jahren erreicht.

Lichtblick: Anfang Mai schlüpfte schließlich auf dem Kamerahorst der erste Jungstorch des Jahres.

Natur- und Umweltschutz

Neben dem Storchenschutz engagieren wir uns weiterhin in vielen Bereichen des Natur- und Umweltschutzes. Gemeinsam mit den Schiersteiner Jägern haben wir Ende Februar die Feldflur von zahlreichen Autoreifen und anderem achtlos entsorgten Müll befreit. Mit Schülerinnen und Schülern der Erich-Kästner-Schule wurden Anfang März Nistkästen kontrolliert und dabei eine anschauliche Biologiestunde im Freien durchgeführt. Außerdem haben wir eine Streuobstwiese mit zehn Hochstamm-Obstbäumen angelegt und einen gut besuchten Baumschnittkurs veranstaltet.

Keine Storchenführungen mehr auf dem Wasserwerksgelände

Bei der ersten Storchenführung am 14. April 2026 wurden wir von der Leitung der Hessenwasser GmbH darüber informiert, dass dies die letzte Führung auf dem Wasserwerksgelände sein werde.

Grund dafür sind neue gesetzliche Vorgaben zum Schutz kritischer Infrastruktur. Künftig dürfen auf dem Gelände keine öffentlichen Führungen mehr stattfinden.

Diese Entscheidung hat uns sehr getroffen. Seit 1972 nutzen wir das Gelände für die Wiederansiedlung und Pflege der Schiersteiner Störche sowie für unsere ehrenamtlichen Führungen. Über mehr als fünf Jahrzehnte konnten wir dort Naturinteressierte, Schulklassen, Seniorengruppen und Menschen mit Behinderungen willkommen heißen – stets ohne Beanstandungen.

Als Alternative wurde uns empfohlen, zukünftige Führungen auf dem öffentlich zugänglichen Hochwasserschutzdamm mit Unterstützung von Hessenwasser durchzuführen. Die ersten beiden Führungen haben jedoch gezeigt, dass dies aufgrund des starken Radverkehrs und teilweise rücksichtslosen Verhaltens einzelner Radfahrer nur eingeschränkt möglich ist. Insbesondere Führungen mit Schulklassen lassen sich unter diesen Bedingungen nicht verantwortungsvoll durchführen. Aus diesem Grund haben mehrere Schulen ihre bereits geplanten Führungen abgesagt.

Wir hoffen nun auf die Umsetzung der zugesagten Maßnahmen von Hessenwasser: den Bau zweier neuer Storchenhorste in Sichtweite des Hochwasserschutzdamms sowie die Verlegung des Zauns, damit dort künftig eine Aussichtsplattform entstehen kann.

Der Vorstand des Vereins hat deshalb einstimmig beschlossen, im Jahr 2026 keinen „Tag der offenen Tür“ zu veranstalten, da dieser unter den derzeitigen Bedingungen nur auf dem Hochwasserschutzdamm hätte stattfinden können.

Die Schiersteiner Störche werden wir auch weiterhin mit großem Engagement begleiten und schützen. Gleichzeitig setzen wir uns dafür ein, neue Möglichkeiten zu finden, damit Naturerlebnis, Umweltbildung und Artenschutz auch künftig ihren festen Platz in Schierstein behalten.

Die Geschichte unseres Vereins zeigt, was durch Geduld, Ausdauer und ehrenamtliches Engagement möglich ist. Seit über fünf Jahrzehnten haben viele Menschen dazu beigetragen, die Schiersteiner Störche wieder heimisch zu machen und ihren Lebensraum zu erhalten. An diese Erfolgsgeschichte möchten wir anknüpfen.

Die Rahmenbedingungen verändern sich – unser Einsatz für die Schiersteiner Störche jedoch nicht. Gemeinsam mit unseren Mitgliedern, ehrenamtlichen Helfern, unseren Partnern und allen Naturfreunden werden wir auch in Zukunft daran arbeiten, Menschen für den Storchen- und Naturschutz zu begeistern.


Hubertus Krahner
1. Vorsitzender

Fotos: Thomas Geiger